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Peter Schulthess

Psychotherapie International

In diesem Beitrag wird über die Mitgliederversammlung 2014 der International Federation for Psychotherapy (IFP) anlässlich des Kongresses in Shanghai sowie über aktuelle Aktivitäten der European Association for Psychotherapy (EAP), sowie des World Council for Psychotherapy (WCP) berichtet.

Die IFP hält ihre Mitgliederversammlung jeweils anlässlich der alle 4 Jahre stattfindenden Kongresse statt. Der IFP gehören 30 Verbände aus verschiedenen Ländern an, sowie eine Reihe von Einzelmitgliedern. Insgesamt sind weltweit ca. 25'000 PsychotherapeutInnen direkt oder indirekt mit der IFP verbunden. Der Verband gibt die Zeitschrift Psychotherapy and Psychosomatics im Karger Verlag heraus.

Nach einer Amtszeit von 4 Jahren trat Professor Franz Caspar als Präsident zurück. Als Grund gab er Arbeitsüberlastung an, da er kürzlich neben seiner Professur auch in den eidgenössischen Forschungsrat berufen wurde, was viel Arbeit mit sich bringe. Er wird dem Vorstand aber weiterhin als Past President angehören. Caspar war der erste Präsident in der Geschichte der IFP, welcher nicht Arzt, sondern Psychologe war. Er ersetzte vor 4 Jahren am Kongress in Luzern Ulrich Schnyder (Zürich). Als Nachfolger gab es zwei Kandidaten: Paul Emmelkamp (Holland) und Driss Moussauoi (Marokko). Beide Kandidaten wurden vom Vorstand als gleichwertig geeignet für die Funktion betrachtet, was für die Delegierten die Wahl nicht gerade vereinfachte. Emmenkamp ist Psychologe, Psychotherapeut und Psychotherapieforscher. Er bevorzugt in der Forschung RCT designs und ist Verhaltenstherapeut.

Moussauoi ist Psychiater, guter Networker mit Organisationserfahrung, aber ohne Identität als Psychotherapeut (er verfügt über keine vollwertige Psychotherapie Ausbildung) sondern als Psychiater. Er wäre erster Nicht-Europäer, welcher neue Mitglieder in IFP bringen könnte. Bisher stammten sämtliche Präsidenten aus der Schweiz, da die IFP seinerzeit hier gegründet worden war.

Die Wahl fiel sehr eng aus: Gewählt wurde in absentia Emmelkamp mit einer Stimme Vorsprung (12:11) auf den anwesenden Moussauoi. Der Vorstand versuchte danach, Herrn Moussauoi für die Mitgliedschaft im Vorstand zu gewinnen, um auf seine innovativen Fähigkeiten nicht verzichten zu müssen.

David Orlinsky, Stephan Zipfel, Sabine Herpertz und Franz Caspar wurden als Vorstandsmitglieder bestätigt. Fiammetta Cosci wurde neu in den Vorstand gewählt. Sie betreute schon bisher den Newsletter. Ulrich Schnyder tritt zurück, da seine Zeit als Past President abgelaufen ist.

Die IFP hat auch ein Research Committee, welches periodisch awards für Nachwuchsforscher verleiht. Das Research Committee kündigt anstehende Awards, Ausschreibungen und Verleihungen aus, betreibt das Websurvey PPRNET als Modell für Netzwerke, ist mit der Society for Psychotherapy Research (SPR) verbunden und bietet Unterstützung für Forscher, insbesondere in Praxisorganisationen, die ein Forschungsprojekt lancieren möchten.

Die Finanzen der IFP sind im Lot. Als Rechnungsrevisorin amtete Heide Reuteler Landolf (FSP).

Der nächste Weltkongress der IFP wird 2018 stattfinden. Der Ort ist noch unbekannt. Evtl. in Südamerika, z.B. Argentinien? Oder in Marokko? Der Entscheid wird im Vorstand gefällt werden.

Zum Abschluss der Mitgliederversammlung berichtete Martin Grosse Holforth über einen EU Kongress über Depression, an dem er in einem experts panel als Vertreter der IFP teilnahm.

Die EAP wird am 15.-18. Oktober einen Kongress zum Thema „How Art and Science Meet – What practice and research can learn from each other“ in Vilnius durchführen. Informationen: http://www.eapvilnius2014.eu.

Im Zusammenhang mit der politischen Krise und dem Bürgerkrieg in der Ukraine organisierte Alexander Filz ein Roundtable Gespräch in Kiew mit Vertretern der Psychotherapie aus Russland und der Ukraine. Alfred Pritz, Generalsekretär der EAP, nahm als Vertreter der EAP teil. Es wurde eine Resolution aus Sicht der Psychotherapeuten verabschiedet. Als Fortsetzung dieser Aktivität plant Pritz am 5./6. Dezember eine Konferenz in Wien mit der SFU (Sigmund Freud Universität Wien) und der EAP als Ko-Organisatoren. Thema ist „Crisis in the Ukraine – psychotherapeutic considerations“.

Das WCP hält seinen Weltkongress am 25.-29. August in Durban, Südafrika ab. Vgl. http://wcp2014.com. In diesem Rahmen wird auch die Mitgliederversammlung stattfinden.

Autor

Peter Schulthess ist Präsident der Schweizer Charta für Psychotherapie und Council Member der IFP sowie des WCP.

Zusammen mit Gabi Rüttimann gehört er auch dem Board der EAP als Vertreter der ASP an.

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