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Karl-Ernst Heidegger

Berufspolitik in Österreich

Seit 15.August 2013 ist in Österreich ein neugewähltes Präsidium mit Frau Mag. Maria-Anna Pleischl als Präsidentin im Amt.

Eine der großen Aufgaben für das neue Präsidium wird in den nächsten Jahren die Novelle des 1990 verabschiedeten österreichischen Psychotherapiegesetztes sein. Im diesem Zug ist geplant, dass es zu einer Reform der Ausbildung und zu einer deutlicheren Positionierung der Psychotherapie gegenüber Psychiatrie und klin. Psychologie kommt. Die Neuordnung der Psychotherapieausbildung in Österreich wurde auch im österreichischen Regierungsprogramm festgeschrieben. Die Zeichen stehen auf Akademisierung und einer Angleichung an die Bologna-Struktur. In den Gremien wird intensiv diskutiert, wie die Psychotherapieausbildung mit universitären Strukturen, ECTS Punkten, der notwendigen Selbsterfahrung und supervidierten Praxis oder veränderten Zugangsbestimmungen zu Recht kommen wird. Gelingt der Prozess, wird die Psychotherapie als eigenständiger Beruf gestärkt. Die bisherigen Ausbildungsinstitute bringen sich bereits jetzt verstärkt in Privatuniversitäten ein.

Trotz vorbildlicher legistischer Situation und gutem Angebot ist es in Österreich aber immer noch nicht gelungen, eine gute psychotherapeutische Versorgung für PatientInnen aufzubauen. In der Praxis fehlt ein Rahmenvertrag mit den Krankenkassen um die Psychotherapie für alle psychisch Kranke leistbar zu machen. Die Krankenkassen kontingentieren die Behandlungsplätze und budgetieren die Ausgaben für Psychotherapie weit unter dem notwendigen Bedarf. PatientInnen müssen oft unnötig lange auf einen kassenfinanzierten Psychotherapieplatz warten. Weder mit Vernunft noch mit Spardruck ist es zu erklären, dass dieselben Institutionen in der Gesundheitspolitik, die feststellten, dass psychische Erkrankungen das Gesundheitssystem und die Pensionskassen übermäßig belasten, immer noch bei der Behandlung ebendieser Krankheiten bremsen. Positiv aus unserer Sicht ist, dass auf immer mehr Tagungen im Rahmen der Gesundheitspolitik die mangelhafte Versorgung psychisch Kranker und der schwierige Zugang zu Psychotherapie thematisiert wird.

Seit Jänner 2014 erscheint im Springerverlag wieder die Fachzeitschrift „psychotherapie forum“ mit neuem Format und Konzept und soll ihrem Namen entsprechend ein Forum für die kritische Auseinandersetzung mit dem Fach Psychotherapie sein. In den Jahren 1991 bis 2010 war es eine gemeinsame Zeitschrift der Berufsverbände aus der Schweiz, Deutschland und Österreich. Wir vermissten die Zeitschrift und wollen nun in Zukunft verstärkt den Austausch zwischen Wissenschaft und Praxis fördern. Durch die Kooperation mit Springer erhoffen wir uns, dass der Dialog mit anderen Gesundheitsberufen gefördert wird. Zur Qualitätssicherung unterliegen alle Beiträge einem Gutachterverfahren (peer review). Veröffentlicht werden Originalarbeiten, Übersichtsartikel, Tagungsberichte, Falldarstellungen und Rezensionen. Gasteditoren aus dem gesamten deutschsprachigen Raum sind eingeladen, mit zu wirken.

Autor

Mag. Karl-Ernst Heidegger, MSc ist Vizepräsident des ÖBVP

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