Psychotherapie International

Peter Schulthess

EAP Meetings

Am 23. bis 25. Februar 2017 fanden in Wien die EAP Meetings mit der jährlichen Mitgliederversammlung statt. Markant ist eine personelle Veränderung in der EAP: Prof. Alfred Pritz ist nach 25-jähriger Amtstätigkeit als Generalsekretär der EAP zurückgetreten. Seine Nachfolge tritt Prof. Eugenijus Laurinaitis an, der die letzten beiden Jahre als Stellvertretender Generalsekretär gewirkt hatte.

Entwicklung der EAP

Pritz zeichnete in seiner Abschiedsrede die Geschichte der EAP in ihrem historischen Umfeld nach. Vor 27 Jahren begann die Gründungsphase, in welcher Vertreter aus Österreich, der Schweiz, Deutschland und Ungarn eine wichtige Rolle gespielt haben. Die Unterzeichnung der sogenannten Strassburger Deklaration 1990 (eine Art Kurzfassung einer europäischen Charta für Psychotherapie) legte den Grundstein dazu, im nächsten Jahr eine europäische Fachgesellschaft zu bilden, welche sich für die Etablierung der Psychotherapie als eigenständigen wissenschaftlichen Beruf einsetzte. Europaweit galt es mit dieser Sicht gegen die Auffassung anzutreten, Psychotherapie sei ein Teilgebiet der Psychiatrie. Ein Monopol, das später die Psychologie zu beanspruchen begann und in einigen europäischen Ländern gesetzgeberisch durchsetzen konnte. Nach und nach schlossen sich neue Psychotherapeutenverbände anderer Länder der EAP an. Jedes Jahr sollte künftig ein europäischer Kongress für Psychotherapie stattfinden. Am Kongress 1996 in Zürich wurde die Idee eines ECP (European Certificate of Psychotherapy) lanciert. Die EAP entwickelte sich damit dank grossem Mitgliederzuwachs rasch zu einem wirklich europäischen Verband. Mit dem Ende der Sowjetzeit 1991 konnte sich die Psychotherapie in ihrer Vielfalt auch in Russland verbreiten. Der EAP kam dabei eine wichtige Funktion zu. Ausserdem wurde das World Council for Psychotherapy ins Leben gerufen, welches weltweit die Psychotherapie als eigenständigen Beruf vertritt und äusserst gut besuchte Kongresse abhielt und nach wie vor hält (der nächste findet im Juli in Paris statt).

Der Weg der Etablierung nationaler Dachverbände ist in einzelnen Ländern schwierig und braucht weitere Aufmerksamkeit und Unterstützung durch die EAP. Die Vision einer europäischen Regelung der Psychotherapie als ein wissenschaftlicher Beruf mit eigenen Rechten, wird noch viel Einsatz brauchen. Derzeit gibt es 11 Länder unter 28, welche die Psychotherapie gesetzlich geregelt haben, dies in unterschiedlicher Weise. Laut EU-Sekretär Tidje würde ein europaweites Gesetz erst dann angegangen, wenn wenigstens zwei Drittel der EU-Staaten gesetzliche Regelungen hätten. Es gäbe in der EU 800 Berufe: Die meisten davon seien nicht gesetzlich geregelt. Mit dem Migrationserlass sei aber eine gute Regelung getroffen worden. Manchmal muss allerdings gerichtlich erkämpft werden, dass ein Psychotherapeut aus einem Herkunftsland auch im neuen Zielland den Beruf ausüben könne. Die EAP hat einige solcher Gerichtsentscheide provoziert, um dem Recht der beruflichen Migration zum Durchbruch zu verhelfen.

Veränderung der Ausbildungslandschaft

Eine neue Herausforderung für die EAP ist die sich abzeichnende Akademisierung der Psychotherapie und der Ausbildung zum Psychotherapeuten. Die EAP wird ihre Regulierungen über kurz oder lang so überarbeiten müssen, dass sie dieser unaufhaltbaren Entwicklung Rechnung trägt. Die Realisierung von universitären Direktstudiengängen in Psychotherapie, welche die Vermittlung von psychotherapeutischem Grundlagenwissen mit der Weiterbildung in Psychotherapie verbinden, ist nicht aufzuhalten. Sie wird die bisherige Konzeption, dass zuerst ein theoretisches Studium zu absolvieren sei und erst danach die eigentliche Berufsausbildung im Sinne einer Weiterbildung erfolgen könne, ersetzen.

Diskutiert wurde erneut die Bedeutung, die Psychotherapie Ausbildung und das European Certificate of Psychotherapy in den Rahmen des European Qualifikation Framework (EFQ) zu stellen und so europaweit zu qualifizieren.

Aus den Kommissionen

Die EAP hatte sich auch im vergangenen Jahr beteiligt an der Unterstützung Ukrainischer KollegInnen zur Bewältigung der psychischen Belastungen im Krisengebiet. Verschiede Personen und EAP-Gliedorganisationen boten Supervision und Weiterbildung im Umgang mit Traumatisierten an. Das zeigte einen weiteren Effekt zur Promotion und Verbreitung des Psychotherapeutenberufs in den Ukraine.

Eine Task Group in der EAP widmet sich der Frage, wie weitere Formen zur Unterstützung von BerufskollegInnen und Volontären in anderen Krisengebieten, die von der Flüchtlingsfrage betroffen sind, organisiert und unterstützt werden können.

Das Ethikkomitee wird, verbunden mit deren Vorstandsitzung 2018, in Wien ein 1-tägiges Symposium veranstalten zu berufsethischen Fragen.

Überrascht wurde der Vorstand mit der Anfrage nach Mitgliedschaft einer irakischen Gesellschaft für Psychotherapie in der EAP. Ein Beschluss wurde verschoben, da er grundsätzliche Fragen zum Einzugsgebiet eines europäischen Verbandes aufwirft. Verschoben wurde auch ein Entscheid zur Aufnahme einer Gesellschaft für Transpersonale Psychologie, deren Antrag zu Kontroversen führte.

Mitgliederversammlung der EAP

In den Berichten musste zur Kenntnis genommen werden, dass die Mitgliederzahlen zwar weiterhin steigen, die Einnahmen aber zurückgehen wegen mangelnder Zahlungsmoral. Die Rechnung schloss mit einem Verlust ab. In der Budgetberatung wurde der Antrag des Execu­tive Committees auf Mitgliederbeitragserhöhung sehr kontrovers diskutiert und insbesondere von Vertretern aus osteuropäischen Ländern bekämpft. Es wurde diskutiert, ob man wohl besser eine Neustrukturierung, verbunden mit einer Ausgabensenkung, anstreben sollte, wenn man entdeckt, dass das Defizit strukturelle Gründe hat. Dennoch wurden die Mitgliederbeiträge erhöht.

Die Wahl eines neuen Vizepräsidenten, welcher in zwei Jahren das Präsidium übernehmen soll, ging deutlich zu Gunsten von Charles Cassar (Malta) aus. Die Schweizer Kandidatur (Peter Schulthess) blieb leider chancenlos. Cassar ist seit Jahren der Vorsitzende des NUOC (National Umbrella Organizations Committee) und von daher längst Mitglied im engeren Führungszirkel. Die ASP-Vertreter nahmen seit Jahren eine eher kritische Rolle innerhalb der EAP wahr und sorgten für Veränderung. Das hat nun auch seinen Preis.

Deutschland

Über die anstehenden Veränderungen im Psychotherapiegesetz wurde bereits im letzten Heft von à jour! Psychotherapie-Berufsentwicklung berichtet. Direktstudiengänge in Psychotherapie sollen zukünftig möglich werden.

Im März wurde bekannt, dass unabhängig von dieser anstehenden Gesetzesrevision den PsychotherapeutInnen neue Rechte eingeräumt werden sollen. Sie dürfen gemäss Beschluss der Kassenärztlichen Bundsvereinigung demnächst im Bereich Psychischer Erkrankungen Leistungen zur Soziotherapie, Rehabilitation (psychosomatische und psychiatrische Reha) und Krankenhausbehandlung sowie Krankentransporte verordnen. Damit wird eine gesetzliche Vorgabe umgesetzt.

Die Rechtskraft dieses Beschlusses erfolgt mit der Publikation des Erlasses im Bundesanzeiger. Näheres ist auf der folgenden Website zu erfahren: http://www.kbv.de/html/1150_27652.php

Peter Schulthess, Vorstandsmitglied im ASP und Vertreter derselben in der EAP

peter.schulthess@psychotherapie.ch

Preisausschreibung

Die Zeitschrift Analytische Psychologie (Brandes & Apsel Verlag) schreibt einen Förderpreis für Nachwuchs­autorInnen aus. Der Preis wird jährlich vergeben und ist mit einer Veröffentlichung des Beitrags in der Zeitschrift verbunden. Nähere Informationen entnehmen Sie bitte der Zeitschrift bzw. erhalten Sie über die Redaktion: angelica.loewe@aon.at

Isabelle Meier

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