Gespräch mit einem Mitglied der ASP

Malena Machado Simona

1. Was waren Ihre Beweggründe, den Beruf einer Psychotherapeutin zu wählen?

Wenn ich weiter aushole, würde ich sagen, dass ich bereits als Kind gerne zugehört habe. Unser Zuhause stand immer für die Freunde meiner Eltern offen, irgendjemand war immer bei uns zu Besuch. Ich setzte mich oft zu den Erwachsenen an den Tisch und verweilte dort ganz still, um mir ihre Lebensgeschichten anzuhören.

In der Begegnung mit anderen liegt für mich auch heute noch der Reiz, eine neue, einzigartige und unnachahmliche Geschichte zu hören.

Die konkrete Annäherung an die Psychotherapie erfolgte jedoch zuerst als Patientin. Während der persönlichen Analyse hat sich mir buchstäblich eine Welt geöffnet. Mit dem tieferen und gegliederten Verstehen meiner persönlichen Geschichte habe ich begriffen, das dies die berufliche Laufbahn war, die ich einschlagen wollte. Dazu begann ich mit dem Studium der Sozialwissenschaften. Meinen Background bildeten anfangs also die Soziologie, die Politikwissenschaften und die Psychologie.

2. Was ist Ihr beruflicher Hintergrund/Werdegang?

Man kann sagen, dass meine Karriere jetzt beginnt. Vor einigen Monaten habe ich den Spezialisierungskurs abgeschlossen und vor Kurzem habe ich die kantonale Berechtigung zur Ausübung der Psychotherapie erhalten. Ich bin gerade dabei, die notwendigen bürokratischen Schritte zu erledigen, um als selbstständige Therapeutin arbeiten zu können. Einerseits fühle ich eine tiefe Befriedigung, weil ich meine Ausbildung abgeschlossen habe (die Schule und die Jahre der klinischen Praxis). Andererseits verspüre ich eine Aufregung, die sich mit etwas Angst davor mischt, mich ganz alleine auf dieses offene Meer hinauszubegeben. Ich muss sagen, dass die Praxisjahre ein ausgesprochen guter Teil meiner Ausbildung waren. Dank meiner Supervisoren und der Praktikumsleiter konnte ich, glaube ich, Erfahrung sammeln und die nötige Sicherheit gewinnen, um ausserhalb des «Tragebeutels» arbeiten zu können. Ich hatte das Glück, während meiner Ausbildung Fachleute um mich zu haben, die sich neben der hohen Kompetenz und dem Wissen ihre Leidenschaft und Neugierde für diese Arbeit und das menschliche Wesen erhalten haben. Ich glaube, dass die wichtigste Lehre, die ich aus diesen Ausbildungsjahren mitgenommen habe, die ist, dass man in diesem Job, vielleicht mehr als in anderen, niemals behaupten kann, das «Ziel» erreicht zu haben.

3. Sie haben also erst vor Kurzem Ihre Ausbildung abgeschlossen. Auf welche Schwierigkeiten sind Sie dabei gestossen?

Es handelt sich hier um einen Weg, der sich nicht immer einfach gestaltet und der dich immer wieder dazu bringt, dich selbst in Frage zu stellen. Sowohl die persönliche Analyse als auch die Supervision der klinischen Fälle führen dazu, dass du viel über dich selbst nachdenkst, darüber, wie du dich mit den anderen in Beziehung bringst, über deine Fähigkeiten und deine Grenzen. All dies ist jedoch auch eine grossartige, ich würde sagen sogar unerlässliche Gelegenheit zum Wachstum.

Ich glaube, dass eine andere, sehr konkrete Schwierigkeit die sehr hohen Kosten sind, die ein angehender Psychotherapeut über eine sehr lange Zeitspanne tragen muss. Darunter die Kosten für Schule, Supervisionen, persönliche Analyse …

4. Gibt es noch einen weiteren Beruf, eine weitere Beschäftigung, den/die Sie zusätzlich zur Psychotherapie ausüben?

Nein, im Moment arbeite ich nur als Psychotherapeutin. Ich würde sagen, dass meine zweite Arbeit, auch wenn ich sie nicht gerne als solche bezeichnen möchte, die der Mutter einer kleinen Tochter ist. Aber ich habe neben dem Studium der Psychotherapie viele Jahre für eine schweizerische NGO in einem Ambiente gearbeitet, das wenig oder gar nichts mit der Psychotherapie zu tun hatte, aber sehr wichtig für meine Ausbildung war.

5. Haben Sie die Absicht, sich in einem speziellen Sektor zu spezialisieren?

Ich habe mich für die Schule der psychoanalytischen Psychotherapie entschieden. Das ist im Moment meine Spezialisierung. Mir gefällt die Vorstellung, mich um verschiedene Patienten zu kümmern (Kinder, Jugendliche, Erwachsene …), die aus den unterschiedlichsten Gründen zu mir kommen. Es gibt jedoch sicherlich Themen, die mich mehr als andere interessieren: Mich interessiert zum Beispiel das Gebiet der Therapie mit frisch gebackenen Müttern mit postpartaler Depression und alles, was die Hilfe für die Eltern betrifft. Mich interessiert aber auch alles, was die Psychotherapie in Bezug auf die neuen Technologien anbelangt: Die Möglichkeiten und Veränderungen, die sich hinsichtlich der Art und Weise, Psychotherapie zu betreiben und zu betrachten, ergeben. Auch in Bezug auf die neuen Arten von Abhängigkeit und Störungen, die diese neuen Technologien mit sich bringen. Ich verfolge die Forschung auf diesem Gebiet mit grossem Interesse.

6. Gibt es etwas, das Sie sich von Ihrem Verband ASP wünschen?

Ich bin erst seit Kurzem ordentliches Mitglied des Verbandes ASP, vorher war ich ausserordentliches Mitglied. Ich habe die in dieser Zeitschrift aufgeworfenen Artikel immer mit Interesse gelesen, doch ich muss sagen, dass ich mich vor allem jetzt, da ich mich selbstständig organisieren muss, immer entschiedener auf die von der ASP beigestellten Materialien beziehe. Als frisch gebackene Psychotherapeutin kann ich behaupten, dass ich alle nützlichen Informationen und Unterstützung erhalte, die ich benötige.

Als Vertreterin einer sprachlichen Minderheit lege ich Wert darauf zu betonen, dass ich mit grosser Freude festgestellt habe, dass die italienische Sprache in den letzten Jahren in der ASP mehr Raum eingenommen hat. Sowohl in der Korrespondenz mit den Mitgliedern als auch auf der Webseite, wo die wichtigsten Dokumente in den drei Sprachen vorhanden sind. Wenn ich mir diesbezüglich etwas wünschen dürfte, dann wäre es schön, wenn in Zukunft die gesamte Webseite auch in italienischer Sprache verfügbar wäre.

7. Gibt es ein Amt in der ASP, das Sie gerne bekleiden würden?

Ich glaube, dass ich diese Frage in einem Jahr besser beantworten kann. Im Augenblick glaube ich, dies ohne Kenntnis der Sachlage nicht tun zu können. Das, was mir im Moment einfällt und was ich oben bereits erwähnt habe, ist, dass mir die Frage der Repräsentanz der italienischen Sprache und Kultur im Kreise des ASP am Herzen liegt. Es könnte also eine Rolle in diesem Bereich sein.

8. Wie sähe Ihre Wunschsituation im gegebenen politischen Umfeld für PsychotherapeutInnen aus?

Ich hoffe, dass die psychotherapeutische Behandlung in Zukunft auch endlich von der Basis-Krankenkasse anerkannt wird. Im Allgemeinen hoffe ich, dass die notwendige Unabhängigkeit in dieser Arbeit beibehalten werden kann, damit sie nicht zu einer politischen oder wirtschaftlichen Angelegenheit wird, welche die fundamentalen Aspekte, wie die Dauer einer Behandlung oder die Ausrichtung der Therapie, bestimmt.

9. Was ist Ihre Vision in Ihrem beruflichen Alltag?

Ich werde versuchen, an die Metapher zu denken, die mir jemand vor einiger Zeit in Bezug auf die Arbeit des Psychotherapeuten gesagt hat: Man muss nach Sicht steuern, mit dem Kompass, der klar die einzuschlagende Richtung angibt, doch ohne zu wissen, wo und wann man am Ziel ankommen wird.

Malena Machado Simona, Psychotherapeutin ASP, lebt in Minusio (TI) und arbeitet in eigener Praxis; seit 2017 ordentliches Mitglied (Mitglied in Ausbildung/ausserordentliches Mitglied seit 2009)

malena.machado@gmail.com

Das Interview wurde von Nicola Gianinazzi schriftlich geführt.

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