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Mitgliederversammlung der ASP und Charta

Marianne Roth

Die Mitgliederversammlungen der ASP und Charta vom 19. März fanden turnusgemäss in Bern statt. Rund 40 Mitglieder hatten sich bei strahlendem Frühlingswetter im Hotel Bern eingefunden, um das Geschäftsjahr 2015 endgültig zu verabschieden. Die Jahresrechnung, die zwar aufgrund der Akkreditierung mit einem Defizit abschloss, wurde dennoch einstimmig genehmigt. Da am Nachmittag die Charta-Mitgliederversammlung anberaumt war, konnten auch einige Vertreter/innen der Partnerinstitute begrüsst werden.

Eröffnung durch die Präsidentin

Die Präsidentin, Gabi Rüttimann, eröffnete ihren Jahresrückblick mit der Feststellung, dass die ASP 2015 fast mit denselben Prozessen beschäftigt gewesen war wie schon im Jahr zuvor. Nicht zuletzt ein Hinweis darauf, wie langsam die politischen Mühlen Berns mahlen. Nach wie vor ist die KVG-Änderung, Überführung vom Delegations- ins Anordnungsmodell, nicht abgeschlossen und einer der Schwerpunkte der Verbandsarbeit. Im vergangenen Jahr haben mehrere Treffen der sogenannten Tarifgruppe stattgefunden, bei denen die Verbände eine gemeinsame Stossrichtung definiert und diese auch in Angriff genommen haben. Die Fachhochschule FHNW führte eine Kosten- und Leistungserhebung bei praktizierenden Psychotherapeut/innen durch, die uns Argumente für die weiteren Verhandlungen in Bezug auf die Tarifstruktur liefern wird. Bisher sind über 1000 Rückmeldungen eingegangen, was ca. 40 Prozent der kontaktierten Psychotherapeut/innen entspricht, und ein höchst erfreuliches Ergebnis darstellt. Der entsprechende Schlussbericht wird mit Spannung erwartet.

Überaus stark beansprucht waren alle Beteiligten – Partnerinstitutionen und verschiedene Gremien der ASP – an den Vorbereitungsarbeiten für das Akkreditierungsgesuch, das inzwischen eingereicht ist. Es ist nun an den Experten, dieses zu begutachten, und damit den weiteren Verlauf des Akkreditierungsprozesses zu bestimmen.

Informationen der Charta

Die Charta-Mitglieder waren eingeladen worden, sich in einer ersten Lesung zum revidierten Charta-Text zu äussern. Für die Revision hatte sich der Charta-Vorstand mehrmals getroffen und jede Formulierung sozusagen «auf die Goldwaage» gelegt. Die Neuverfassung sei dringend notwendig geworden, da der bisherige Text zum Teil völlig veraltete Formulierungen beinhalte. Zweck der Revision sei nicht, den Inhalt auf den Kopf zu stellen, sondern eine zeitgemässe Darstellung zu erzielen, so der Vorsitzende. Die Korrekturvorschläge aus dem Plenum sollen in den Text eingearbeitet und einzelne Aspekte an einem Kolloquium im Herbst vertieft werden.

Peter Schulthess zeichnet neu als Redaktionsleiter sowohl für die Zeitschrift «Psychotherapie-Wissenschaft» (PTW) als auch die Verbandszeitschrift «à jour! – Psychotherapie Berufsentwicklung». Er nutzte die Gelegenheit, einmal mehr auf die PTW-Zeitschrift aufmerksam zu machen, die auch im Internet als Open Access-Version erhältlich ist. Einzelne Artikel können somit heruntergeladen und archiviert werden. Aber auch die gedruckte Version ist weiterhin als abonnierte Ausgabe erhältlich. Er freue sich, dass die Zeitschrift auch nach 10 Jahren immer noch herausgegeben werde. Gegenwärtig steht die ASP in Verhandlung mit verschiedenen Verlagshäusern zur Übergabe der Verlagsarbeiten der beiden Zeitschriften. Es ist zudem geplant, neue Adressgruppen zu erreichen.

Bezüglich Integration der Charta in die ASP zeigt sich Peter Schulthess sehr zufrieden. Er verweist auf nach wie vor vorhandene Schwachstellen wie die Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapie und die emanzipatorische Psychotherapie. Mit der neuen Geschäftsleitung soll auch ein neuer Anlauf zu deren Belebung genommen werden.

Der Unterricht zu generischem Wissen, das integrierter Bestandteil des ASP-Weiterbildungsgangs «ASP Integral» ist, ist erfolgreich angelaufen. Die verschiedenen Kurse, die auf der ASP-Website separat ausgeschrieben werden, können von interessierten Personen einzeln belegt werden.

In Bezug auf die Akkreditierung unterbreitete die ASP Instituten, die sich selbst akkreditieren lassen, den Vorschlag für eine Beschwerdestelle. Das Unterfangen wird vom BAG mit der Begründung abgelehnt, die Institute müssten eigene Beschwerdestellen einrichten. Das Angebot der ASP sei nicht unabhängig, weil die Institute Mitglied der ASP seien. Das Thema ist noch nicht ausdiskutiert.

Auch die Kommission für Qualitätssicherung stand unter dem Eindruck der Akkreditierung. Die Mitglieder waren intensiv mit der Qualitätsüberprüfung der acht Partnerinstitutionen und ihren Vertiefungsrichtungen beschäftigt. Für den Weiterbildungsgang eines weiteren Instituts hatte sie zudem ein Mentorat eingerichtet, um die Qualitätsstandards des Bundes zu erfüllen.

Die Wissenschaftskommission führte zwei Kolloquien durch, an denen aktuelle Forschungsaktivitäten von Mitglieds-Instituten präsentiert wurden. Daneben befassten sich die Mitglieder mit nach wie vor laufenden Publikationen zur inzwischen abgeschlossenen PAP-S-Studie, die übrigens als Buch erscheinen wird.

Zu guter Letzt berichtete Peter Schulthess von seinem Vorhaben, das Amt als Charta-Vorsitzender im nächsten Jahr niederzulegen. Über seinen unermüdlichen Einsatz für die Charta und ASP wird noch zu berichten sein. Ein Stellen­inserat für seine Nachfolge findet sich in dieser Ausgabe des «à jour!».

Berichte aus den Sektionen

Aus der Suisse Romande berichtete Bruno de Raemy, dass drei Institute am Akkreditierungsprozess des Weiterbildungsgangs «ASP Integral» beteiligt sind. Diese haben sich untereinander vernetzt und sind auch bereit, gegenseitige Synergien nutzbar zu machen. Überdies deponierte Bruno de Raemy das Anliegen, dass die ASP stärker an die einschlägige Öffentlichkeit treten und sichtbarer werden müsse, da der Verband in der Psy-Welt wenig Bekanntheit geniesse. Auslöser für seine Bemerkung war die Präsentation über Psychologie, die an der Universität Lausanne stattgefunden hat. Ein Kompliment richtete er an Claudia Menolfi für ihre Übersetzungsarbeit auf Französisch, die sich stark verbessert habe.

Nicola Gianinazzi, Vertreter aus dem Tessin erklärte, bei ihnen sei die Visibilität fast zu gross, da immer mehr Studierende nach Beratung fragen würden. Er machte zudem darauf aufmerksam, dass der ökonomische Druck im Tessin enorm sei und ein grosses Problem darstelle. So gebe es Institute, die für ihre Weiterbildungen eigentliche Dumpingpreise verlangten, die aber völlig intransparent seien. Auch im Tessin verursachen die Umsetzung des PsyG sowie die Akkreditierung des Weiterbildungsgangs enorm viel Arbeit. Allerdings sind sie damit bereits weit fortgeschritten. Nicola Gianinazzi ist von verschiedenen Instituten kontaktiert worden, die er zu «ASP Integral» beraten hat. In diesem Zusammenhang erwähnte er, dass die Fachhochschule Tessin erst damit begonnen hat, einen Post-Bachelor in Psychologie anzubieten.

Wahlen und ein Abschied

Neuwahlen gab es in der Ethikkommission und der Ombudsstelle. Mit Marianne Meister verliert die Ethikkommission ihre langjährige Präsidentin. Nachdem ihre Arbeit gewürdigt worden war, wurde sie per Akklamation verabschiedet und an ihrer Stelle ihr Nachfolger, Marco Noi, begrüsst. Die Ombudsstelle wird neu von Erhard Grieder besetzt, der Jürg Spycher ersetzt.

Mit dieser Mitgliederversammlung fand die Zusammenarbeit mit Emil Stutz nach genau sieben Jahren ihr definitives Ende. Gabi Rüttimann würdigte seinen Einsatz und bedauerte, in ihm eine menschliche und warmherzige Persönlichkeit zu verlieren. Die grössten «Baustellen» während seiner Zeit als Geschäftsleiter waren wohl die Einführung des PsyG und der Akkreditierungsprozess, auf dessen Weg er «die ersten Steine gelegt hat», so die Präsidentin. Die Vernetzung mit der lateinischen Schweiz sowie die Integration der Charta in die ASP waren weitere Projekte, an deren Umsetzung Emil Stutz intensiv arbeitete. Die Präsidentin bedankte sich im Namen des Vorstandes und den Mitarbeiterinnen der Geschäftsstelle nochmals herzlich für die geleistete Arbeit und verabschiedete Emil Stutz mit den besten Wünschen für seinen neuen Lebensabschnitt.

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