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Drittes Symposium der
Akademie Menschenmedizin
Technik – Mensch – Heilkunst

Freitag, 12. Juni 2015, 9.00-17.15 Uhr

Kunsthaus Zürich, Vortragssaal

Technik ist allgegenwärtig und geht uns alle an. Als mechanische Technik unterstützt sie, ermöglicht scheinbar Unmögliches, beschleunigt auf allen Ebenen, fasziniert und bestimmt unser Leben immer mehr. Auf die Technik verzichten will niemand. Aber wo sind ihre Grenzen? Wo macht die Technik uns zu Dienern statt zu Bedienten? Diese Grenzen sind im Alltag fliessend. Technik ist aber auch im Sinne von menschlichem Handwerk, professionellem Können zu verstehen. Für eine Heilkunst, die ihrem Namen gerecht wird, muss die Technik sich in beiden Ausprägungen in den Dienst der Patientinnen und Patienten stellen. Im Gesundheitswesen nimmt Technik in beiden Ausprägungen eine zentrale Bedeutung ein und gerade der vielgerühmte mechanisch-technische Fortschritt half und hilft viel Leiden zu lindern oder gar zu vermeiden. Doch es gibt auch eine Gefahr, die uns zunehmend zu bestimmen droht: eine Art Verselbstständigung, in deren Sog wir geraten und das Verhältnis von Nutzer und Benutztem umzukehren droht. Der Alltag wird immer häufiger durch technische, lukrative Machbarkeiten geprägt, denen blind gefolgt wird und die die ursprüngliche Erleichterung der Arbeit wie auch die Linderung von Leiden ins Gegenteil verkehren.

In der Medizin unterstützt die Technik immer ein Gegenüber. Es geht nicht um einen Eigennutzen oder Bequemlichkeiten, sondern um einen anderen Menschen und zwar einen kranken, leidenden und damit in seiner Autonomie eingeschränkten Menschen. Das Spektrum reicht von Gesprächstechnik über Untersuchungstechnik bis hin zur «Hightech-Medizin» mit ihren spektakulären Erfolgen. Eine besondere Stellung nimmt je länger je mehr die IT ein, die die Beziehungskultur nicht nur zwischen Patienten/-innen und Leistungserbringern, sondern auch den Professionellen untereinander nachhaltig verändert.

Wo bleibt bei allen Möglichkeiten der mechanischen Technik die Heilkunst? Wo braucht es Kunst in der Anwendung und wo «nur» noch Know-how? Wann ist der Mensch heilsam behandelt und wann lediglich repariert? Wenn Roboter operieren und pflegen, wo bleibt noch Platz für menschliche Begegnungen? Wie sieht die Zukunft aus? Wird das Humane, gerade weil vieles technisch übernommen und gelöst werden kann, zentraler werden? Wird dadurch gerade die Psychotherapie an Bedeutung gewinnen? Oder wird es andersherum sein, und die grosse Herausforderung wird sein, wie wir noch ein Stück Beziehungsmedizin, ein Stück Menschlichkeit retten können? Wird «Heil-Sein» in seiner viel grösseren Dimension, die durchaus auch Einschränkungen und Kranksein einschliessen kann, im Gesundheitswesen überhaupt noch Thema sein? Oder wird «Heil-Sein» gerade in Zukunft erst richtig zum Thema werden und die Psychotherapie vertiefte Bedeutung erhalten? Niemand weiss wohl so genau, wohin uns die maschinen-technischen Entwicklungen führen werden. Doch sie haben die Tendenz, im Selbstzweck zu versinken. Es ist diese Gefahr, die zur aktiven Auseinandersetzung der Technik drängt. In der Heilkunst steht sie oft in Konkurrenz zu der Beziehung zwischen Patientinnen, Patienten und Professionellen und droht, das unmittelbar Menschliche zu verdrängen.

Wie ist darauf zu reagieren? Wohin führt uns die rasante Entwicklung? Wie kann unsere Beziehung zur Technik reifen? Gelingt es uns, bei allem Fortschritt noch Meister/-in zu bleiben im eigenen Haus oder werden wir, wie in Goethes Gedicht «der Zauberlehrling» beschrieben, Opfer der von uns entfesselten Kräfte?

Die Akademie Menschenmedizin hat diesem wichtigen und vielschichtigen Thema ein ganztägiges Symposium gewidmet. Auch in diesem Jahr konnten namhafte Referentinnen und Referenten gewonnen werden, die aus verschiedenen Blickwinkeln nach Antworten suchen. Hightech-Medizin und Hausarztmedizin waren genauso Thema wie Pflege und Philosophie. Eröffnet wurde das Symposium von dem weltweit gefragten Zukunftsforscher Gerd Leonhard. Für ihn besteht der klare Trend, dass die künstliche Intelligenz spätestens 2050 den Menschen überflügelt haben wird, jetzt schon auf dem besten Weg dazu ist. Dennoch sieht er die Möglichkeit gegenzusteuern, indem wir unser Leben nicht schon jetzt so stark von der Technik bestimmen lassen, wie wir dies mehrheitlich bereits tun. Die Pflege hatte zwei prominente Vertreterinnen in der Pflegedirektorin des UniversitätsSpitals Zürich, Professorin Rebecca Spirig, und der Pflege-Ikone Sr. Liliane Juchli, deren Standardwerk zur Pflege Generationen geprägt hat. Beide forderten wieder mehr Zuwendung zum Menschen bei der Pflegetätigkeit. Technik ist zwar ein wichtiges Element bei der stationären Betreuung von Menschen, aber sie darf nicht die Menschlichkeit verdrängen. Professor Dr. med. Thierry Carrel, Direktor der Herz- und Gefässchirurgie des Inselspitals Bern, und Hausarzt Dr. med. Louis Litschgi sprachen aus Perspektive der Ärzte. Während für Th. Carrel High-Tech-Medizin zum Alltag seiner Tätigkeit im Spital gehört, sollte Technik nach L. Litschgis Meinung beim Hausarzt eher im Hintergrund und der Mensch im Mittelpunkt stehen. Beide sind sich jedoch darin einig, dass Technik immer im Dienste des Menschen sein sollte, erst dann kann sie dazu beitragen, dass das Heilen zur Heilkunst wird. Anton Gunzinger, Gründer einer IT-Firma und innovativer Unternehmer, stimmt mit seinen Vorrednern/-innen überein, dass Technik im Dienste des Menschen stehen sollte, nicht umgekehrt. Im Gegensatz zu G. Leonhard sieht er die technische Entwicklung nicht als so vorhersehbar, stimmt aber mit ihm überein, dass Computer schon jetzt den Menschen sehr ähnlich sind, aber Ersteren wesentliche Aspekte fehlen, wie Ich-Bewusstsein, Wissen über die eigene Endlichkeit und Sexualität. Der Architekt Gion A. Caminada sprach sehr philosophisch über Heilräume und wie bei ihrer Entstehung die Interaktion von Mensch und Technik eine wesentliche Rolle spielt und der «Hausphilosoph» Ludwig Hasler gab ein Schlusskonzert der Worte, indem er zu den verschiedenen Thesen seiner Vorredner/-innen gewohnt ironisch und geistreich Stellung bezog. Der Einbezug der Kunst war ein zentrales Element und wurde von den Veranstaltern als unabdingbar für eine zukünftige Heilkunst postuliert. So zogen sich künstlerische Interventionen durch das gesamte Symposium. Der Komponist und Pianist André Desponds sorgte am Klavier für die künstlerische Untermalung, indem er wie an den vorangegangenen zwei Symposien musikalisches Feedback auf die Vorträge gab. Die Videokünstlerin Chantal Michel umrahmte die Veranstaltung mit verstörenden Videoeinlagen sowie persönlicher Präsenz zu Beginn, in den Pausen und am Schluss. In den Intermezzi gestaltete der Vorstand der Akademie Menschenmedizin unter der Leitung der Psychotherapie die Analogie zwischen Kunst und Heilkunst. Es wurden Parallelen zwischen Kunst und Krankheit festgestellt, so kann die Begegnung mit beidem zu einer lebensverändernden Erfahrung werden. Zugleich kann die Kunst bei der Bewältigung von Krankheit eine sehr wichtige Rolle spielen. Entsprechend war hier vor allem von einer Psychotherapie die Rede, die mit künstlerischen Medien arbeitet und auch den philosophischen Diskurs nicht scheut.

Das Symposium wurde von einem sehr vielseitigen Publikum (ca. 200 Teilnehmer/-innen), bestehend aus Ärzten/-innen, Pflege, Psychotherapeuten/-innen, aber auch interessierten Laien, besucht.

Veronica Baud

Leiterin Psychotherapie

Spital Affoltern am Albis

Annina Hess-Cabalzar, MA

Präsidentin AM

Psychotherapeutin ASP

 

Plattform für eine menschengerechte Medizin

Die Akademie Menschenmedizin ist ein 2009 gegründeter Verein. Sie fordert und fördert einen patientenorientierten, vernetzten Therapie- und Heilungsansatz und engagiert sich mit verschiedenen Massnahmen für ein menschengerechtes, bezahlbares Gesundheitswesen.

Steigende Krankenkassenprämien, Ökonomisierung am Krankenbett, Personalmangel, Kostendruck in den Spitälern, Priorisierung der lukrativen, technischen Behandlungen, Stichworte, die regelmässig durch die Medien geistern und Fachpersonen in den Gesundheitsberufen genauso beschäftigen wie Politik und Gesellschaft. Im Fokus stehen dabei Diskussionen, die sich um Kosten und Effizienz drehen. Das Konzept Menschenmedizin stellt eine Gegenbewegung zu dieser rein ökonomischen Betrachtung von Medizin und Gesundheit dar und setzt nicht die Kosten, sondern den Menschen in den Mittelpunkt. Als interdisziplinärer Behandlungs- und Heilungsansatz wurde die Menschenmedizin im Spital Affoltern seit 1989 etabliert und gelebt. Die Akademie Menschenmedizin wurde als Weiterentwicklung dieses Modells 2009 gegründet. Ihr sechsköpfiger Vorstand engagiert sich gemeinsam mit einem Beirat, der sich aus Experten verschiedenster Fachbereiche, wie alle in die Versorgung involvierten Gesundheitsberufe, Philosophie, Ökonomie, Architektur, Kunst, Theologie, Soziologie, Politik und Patientenschutz, zusammensetzt sowie weiteren interessierten Personen für ein menschengerechtes und bezahlbares Gesundheitswesen. Konsequent stellt sie den Menschen in den Mittelpunkt ihrer Arbeit und stösst eine Diskussion über das Menschenbild in der Medizin, über die Folgen der Ökonomisierung am Krankenbett, über Grenzen sowie über Haltungsfragen, vernetzte Versorgungsansätze und bezahlbare Finanzierungsformen an.

Weitere Informationen

www.menschenmedizin.ch

 

Tagungsband 1 «Markt – Mensch –

Medizin» und Tagungsband 2

«Zeit – Mensch – Medizin» sind erhältlich via Website

www.menschenmedizin.ch.

Der Tagungsband 3 «Technik – Mensch – Heilkunst» erscheint im September 2015.

Das neu erscheinende Buch

«Menschen als Menschen behandeln» von Prof. Dr. Jürgen Harms, em. Chefarzt Psychiatrie in Südafrika, wird am Symposium erstmals vorgestellt.

 

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