Editorial

Peter Schulthess

Worauf ist zu achten in der Psychotherapie mit Personen, die an den Folgen von Kriegserlebnissen und Folter leiden? Die Flüchtlingsströme aus Kriegsgebieten gehen zwar zurück, insbesondere seit die Schengen-Staaten aus Europa eine fast uneinnehmbare Festung aufbauten. Menschenrechte bleiben dabei auf der Strecke. Dass die Zustände in den Flüchtlingslagern furchtbar sind, zeigen Berichte von NGO’s. Das Mittelmeer ist zu einem der grössten Gräber der jüngeren Geschichte geworden und NGO’s werden in ihrem Bemühen, Leben zu retten, behindert und kriminalisiert, auch von einem eigentlich zivilisierten Land wie Italien.

Verschiedene Psychotherapieorganisationen bieten Hilfe an zur Arbeit mit Flüchtlingen. So hat die EAGT (European Association of Gestalt Therapy) vor bald zehn Jahren ein Committee for Human Rights and Social Responsibility eingerichtet, welches unter anderem ein Projekt betreibt, wo Gestalt-Therapeuten und Supervisoren Menschen, die vor Ort als Freiwillige im Einsatz sind, unentgeltlich Unterstützung geben in der Verarbeitung dessen, was sie vor Ort erleben oder erlebt haben. Die EAP (European Association for Psychotherapy) ist dabei, ein ähnliches Projekt zusammen mit den nationalen Gliedverbänden einzurichten.

Das Interview mit Julia Harsch vom SRK unter der Rubrik «Fokus» gibt uns einen Einblick in diese Arbeit. Die EAP hat kürzlich Guidelines erlassen, an denen PsychotherapeutInnen, die mit Flüchtlingen arbeiten, sich ausrichten können. Sie sind in diesem Heft erstmals in Deutsch und Französisch publiziert.

Dass der Beitrag von Peter Schwob zum Umgang mit Gerüchten um sexuelle Übergriffe in der Psychotherapie im letzten Heft auch Widerspruch erzeugen würde, war zu erwarten. Wir bringen in der Rubrik «Debatte» eine kritische Reaktion einer Kollegin.

Als Debattenbeitrag erscheint ein Artikel von Theodor Itten, der zu sorgfältigem Umgang mit Diagnosen mahnt und auffordert, für jedes als eigentümlich erscheinende Verhalten, jeweils auch den Kontext zu beachten, in welchem es auftaucht. Oft ändert sich dann die diagnostische Beurteilung postwendend.

Alfred Köth hat uns aus Deutschland einen Beitrag zugesandt, welcher die Veränderung des Selbstverständnisses der PsychotherapeutInnen in ihrem Berufs- und Rollenbild unter der aktuellen Gesetzgebung thematisiert. Seine Überlegungen scheinen uns auch für ein Schweizer Publikum spannend zu sein, auch wenn hier eine andere Gesetzgebung gilt.

Unter der Rubrik «Aktuelles» finden Sie diesmal eine Vielfalt an Berichten: Berufspolitisches aus der Warte der Präsidentin, aus der EAP im europäischen Umfeld, aus der italienisch sprachigen Schweiz, zum Psychologieberufe-Register, welches vom BAG nun endlich aufgeschaltet ist, zu einer Studie über die psychotherapeutische Versorgung (bzw. deren Lücken) in der Schweiz. Ausserdem wird über die Jahrestagung 2017 der SGPP (Schweizerische Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie) berichtet. Über den erfolgreichen Abschluss der Veranstaltungsreihe «generische Psychotherapietheorie der ASP» gibt in weiterer Beitrag Auskunft. Die Informationen aus dem Sekretariat, eine Übersicht der Dienstleistungen der ASP und ein Veranstaltungskalender komplettieren das Heft. Und natürlich fehlt auch diesmal das Interview mit einem Verbandsmitglied nicht.

 

Ich wünsche Ihnen eine anregende und informative Lektüre.

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