Bericht aus den EAP-Meetings

Wien, 21.–24.2.2019

Peter Schulthess

CC BY-NC-ND

https://doi.org/10.30820/2504-5199-2019-1-14

Alljährlich treffen sich die Delegierten der European Association for Psychotherapy (EAP) zu den Februar-Meetings in Wien in den Räumen der Sigmund Freud Privat Universität (SFU). Der Unterzeichnende und die Präsidentin vertreten jeweils gemeinsam die ASP im General Board (erweiterter Vorstand) und im National Umbrella Organisations Committee (NUOC).

Verteilt über fünf Tage (zwei Committees treffen sich jeweils schon einen Tag vor den offiziellen Meetings) fanden diesmal insgesamt 32 Meetings der unterschiedlichen Committees und Working Groups statt. Für jene, die in mehreren Committees oder thematischen Working Groups mitwirken, ein ansehnliches Programm!

Das Board Meeting begann mit einer Schweigeminute für Professor Rodolfo de Bernart. Er verstarb am 19. Februar 2019. Professor de Bernart war Direktor des Institutes für Familientherapie in Florenz und lehrte an der dortigen Universität Familientherapie im Bereich der Psychiatrie. Er war Past President der Europäischen Gesellschaft für Familientherapie (EFTA) und der EAP.

Die Marketing Group präsentierte im Board einen Facebook-Auftritt. Sie plädierte dafür, auf diesem Social-Media-Kanal präsent zu sein, um mehr Publizität für die EAP zu erreichen. Das gab Anlass für grundsätzliche Diskussionen und Fragen, wie man die Dynamik in Charts steuern wolle. Eine interaktive Seite auf Facebook braucht eine kompetente Betreuung und muss auch rasch auf Fachfragen antworten können, wie sie oft an das Sekretariat geleitet werden. Das Projekt wird weiterentwickelt und an der nächsten Versammlung nochmals präsentiert werden. Parallel zum Facebook-Auftritt wird die Website revidiert, ebenfalls unter der Führung der Marketing Group.

Informiert wurde das Board auch über Rechtsprobleme bei internetbasierten Psychotherapien. Es ist zu beachten, dass nur gesicherte Internetverbindungen verwendet werden dürfen, da sonst das Berufsgeheimnis nicht gewahrt werden kann. Ein No-Go ist Skype, da dieses System keinerlei Vertraulichkeit gewährleistet. Empfohlen sind Zoom oder VSee. Infrage kommt auch WhatsApp, da dieses System seit einiger Zeit eine Gerät-zu-Gerät-Verschlüsselung hat. Als Internetadresse für E-Mail-Verkehr können ASP-Mitglieder eine Hin-Adresse einrichten, wie sie zum Verkehr zwischen Ärzten seit Langem als gesicherte E-Mail-Verbindung eingesetzt wird.

Bei internationalen Kontakten kommt jeweils das Recht des Staates, in welchem der/die KlientIn lebt, zu Anwendung. PsychotherapeutInnen müssen demnach eine gleichwertige Ausbildung haben, wie sie TherapeutInnen in jenem Land haben. Das dürfte kaum jemandem bewusst sein. Die Thematik wurde am Sonntag anlässlich einer Tagung für die EAP-Trainingsinstitute vertieft.

Es gibt mittlerweile Fortbildungskurse (internetbasiert, versteht sich), wie man Online-Therapien sicher abwickeln kann, und die vermitteln, was alles beachtet werden muss. AbsolventInnen solcher Kurse werden als Spezialisten für Internettherapien zertifiziert.

Berichtet wurde auch über die Aktivitäten des EAP-Lobbyisten in Kooperation mit der Lobby-Group. Als ersten Schritt wurde der «European Act of Psychotherapy», der der EAP den Status gibt, die zuständige europäische Organisation zu sein, die die Psychotherapie im EU-Parlament vertritt. Weitere Schritte sind in Vorbereitung.

In Spanien steht eine Gesetzgebung zur Psychotherapie an. Dort hat sich nun der übliche Konflikt zwischen den Psychologieverbänden und den Psychotherapieverbänden eingestellt, wer denn nun legitimer Vertreter der Psychotherapie und somit Verhandlungspartner mit dem Gesundheitsministerium sein könne: die European Federation of Psychology Associations (EFPA) oder die EAP bzw. deren Landesverbände. Über die Seplis, die Europäische Dachorganisation für freie Berufe, in der sowohl EFPA wie EAP Mitglied sind, wird versucht, eine Brücke zu schlagen. In einer Publikation der EFPA wird aufgelistet, welches die Berufskompetenzen der PsychologInnen sind und welches die Berufskompetenzen der PsychotherapeutInnen. So wird auch seitens der EFPA dokumentiert, dass es sich um zwei verschiedene Berufe handelt. Man darf gespannt sein, wie das weitergeht.

Im Rahmen einer separaten Tagung für die EAP-Trainingsinstitute wurde nochmals dargelegt, wie die Akademisierung der Psychotherapie voranschreitet und nicht aufzuhalten ist. In verschiedenen europäischen Ländern existieren universitäre Studiengänge in Psychotherapie, die mit Studienabschluss zur Berufsberechtigung führen. Deutschland hat soeben eine entsprechende Gesetzesrevision verabschiedet. Es ist deshalb unabdingbar, dass sich die Trainingsprogramme am European Qualification Framework (EQF) Level 7 orientieren (universitärer Master-Abschluss). Das verlangt, dass auch Module zur Psychotherapieforschung in die Trainingsprogramme eingebaut werden müssen und eine Abschlussarbeit auf dem Niveau einer Masterarbeit sein soll. Einige Institute haben diese Entwicklung schon gemacht, andere noch nicht. Das Thema soll an weiteren Tagungen vertieft und umgesetzt werden. Das Science and Research Committee (SARC) koordiniert den Austausch zwischen den Instituten.

Das SARC berichtete auch davon, wie es von der Spanischen Dachorganisation (Pendant zur ASP) angefragt wurde, um Support gegenüber dem Gesundheitsministerium im Zusammenhang mit der anstehenden gesetzlichen Regelung der Psychotherapie zu leisten. Würde doch dort die Meinung vertreten, Psychotherapie sei wissenschaftlich nicht fundiert. Die Verbände wurden in die Pflicht genommen, aufzuzeigen, was für eine empirische Evidenz es für die Psychotherapie gibt. Dank seiner internationalen Vernetzung mit führenden PsychotherapieforscherInnen aus der ganzen Welt, gelang es dem SARC innerhalb weniger Tage, viele relevante Dokumente zum Stand der Psychotherapieforschung beizubringen und so dem Spanischen Dachverband zu helfen. Diese Fülle von Literaturangaben soll nun systematisiert und so aufbereitet werden, dass sie auf der EAP-Website verfügbar sein wird, sowohl zum Nutzen der Gliedorganisationen als auch als Quelle für Gesundheitsministerien.

Die Europäischen Dachorganisationen für verschiedene Psychotherapierichtungen wurden eingeladen, ihnen bekannte methodenspezifische Untersuchungen an das SARC weiterzuleiten, damit auch diese Studien aufgenommen werden können.

An der jährlichen Mitgliederversammlung galt es auch die statutarischen Geschäfte zu erledigen. Als Präsident wurde Charles Cassar bestätigt. Als neue Vizepräsidentin wurde Particia Hunt aus Grossbritannien gewählt. Sie wird in zwei Jahren das Präsidium übernehmen. Da Philip Vranken, der vormalige Präsident, zurückgetreten ist, war die Position des zweiten Vizepräsidenten vakant. Celia Scanlan war bereit, sich ausserordentlicher Weise für zwei weitere Jahre zur Verfügung zu stellen. Ansonsten wurden die FunktionärInnen in ihren Ämtern bestätigt.

Heisse Köpfe gab es bei der Budgetdebatte, wonach an zwei Positionen überraschend auf Empfehlung der Financial Working Group und des Executive Committee die Posten für das SARC und das International Journal for Psychotherapy (IJP) gekürzt werden sollte. Das SARC-Budget konnte erfolgreich verteidigt werden, das Journal musste aber eine markante Kürzung hinnehmen. Der fehlende Betrag soll mit der Umstellung auf eine voll-digitale Zeitschrift aufgefangen werden.

Einige Statutenänderungen bzw. -anpassungen wurden diskussionslos genehmigt, insbesondere wurde die Anzahl der Mitglieder des Executive Committees erhöht, sodass jetzt auch weitere Vorsitzende von Committees dort Einsitz nehmen können. Ebenfalls haben die Trainingsinstitute nun endlich eine eigene Kammer erhalten.

Peter Schulthess ist Vorstandmitglied der ASP und vertritt diese gemeinsam mit Gabriela Rüttimann in der EAP. Er ist auch Vorsitzender des SARC in der EAP.

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