Märchen als Ressource bei maladaptiven Schemata und pathogenen Komplexepisoden

Pia McMahon

Abstract


Sowohl in der Analytischen Psychologie als auch in der Schematherapie werden Konzepte beschrieben, die erklären, wie psychische Störungen und Symptome aufgrund von dysfunktionalen Beziehungsmustern entstehen können. Dabei handelt es sich um schwierige generalisierte Beziehungsepisoden, bei denen sich innerlich zwei Menschen in Form eines Kindes (als primäre intensive emotionale Zustände) und einer Beziehungsperson (als internalisierte negative Bewertungen) gegenüberstehen. Ziel beider Ansätze ist es, die negativen kognitiven Bewertungen zu modifizieren und das primäre Erleben der kindlich emotionalen Zustände bewusst zu machen. Abwehr-, Kompensations- und Bewältigungsverhalten schützen den Betroffenen jedoch vor diesen überwiegend schmerzhaften kindlich emotionalen Zuständen und erschweren den Zugang zu ihnen. Märchen stellen das allgemeinmenschliche und kulturelle Erbgut der Beziehungsgeschichten dar, ein enormer Fundus für Beziehungsmuster. Durch Märchen wird die bildhafte, imaginative Seite im Menschen angesprochen, sie entsprechen der Gefühlswelt von Kindern. Damit bieten Märchen innerhalb des therapeutischen Prozesses die Möglichkeit, die Gefühlswelt zunächst einmal empathisch und mit Distanz anzuschauen. Dies eröffnet Möglichkeiten zur Bewusstwerdung, zur Entwicklung von Empathie für diese emotionalen Zustände, damit für sich selbst und zur Mentalisierung. Dieser Beitrag erläutert, wie die Entstehung und die Bewältigung von dysfunktionalen Beziehungsmustern in Märchen abgebildet werden und wie dadurch Ressourcen im therapeutischen Prozess erschlossen werden können.

Schlüsselwörter: Analytische Psychologie, Komplex, Komplexepisode, Märchen, Modus, Ressource, Schema, Schematherapie


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