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Rezension

Theodor Itten

Egon Garstick (2013): Junge Väter in seelischer Krise - Wege zur Stärkung der männlichen Identität

Stuttgart: Klett-Cotta. S. 160 € 24.95

Dieses, auf ein wichtiges männersensibles Thema konzentrierte, Buch kommt schlank in zehn Kapiteln daher. Nach einem ermunternden Vorwort des Soziologen und Psychoanalytikers Prof. Frank Dammasch, Frankfurt a. M., der dieses anschauliche und fachkompetente Buch mit dem Satz eröffnet: Psychoanalyse bedeutet, mit Menschen in einen verstehenden Dialog über ihre subjektive Innenwelt einzutreten, präsentiert Garstick seine durch viele Jahre Berufserfahrung gewachsenen Grundlagen für eine fokussierte, körperorientierte psychotherapeutische Arbeit. Vergnügt beschreibt und interpretiert er, was ihm, als Vaterschaftstherapeut, in verschiedenen Hinsichten, mit seinem Erfahrungsschatz als Sohn und Vater, wichtig ist. Zugleich gibt er uns diverse Orientierungshilfen für die Vaterschaftstherapie sowie verbesserte Vaterentwicklungsmöglichkeiten preis. Seine jahrelange Tätigkeit als Psychoanalytiker in einem Sonderschulheim für verhaltensauffällige Kinder befähigte Garstick, als innovativer Psychotherapeut mit Kindern, Eltern und Familien im Zürcher Stadtspital Triemli und in der Stiftung Mütterhilfe zum Wohle der Väter werdenden Männer und deren Familien zu wirken. Gleichzeitig ist er ein gestandener Lehranalytiker am Züricher Psychoanalytischen Seminar und weitherum gefragter Supervisor in psychiatrischen und sozialpädagogischen Institutionen. Gleichzeitig hat er sich jahrelang als Delegierter des PSZ in der Schweizer Charta für Psychotherapie erfolgreich sowie dezidiert leidenschaftlich in unsere schweizerische Berufspolitik eingemischt. Dank seinem freundschaftlichen Kontakt zu Professor Volker Tschuschke konnte letzterer erstmal für das PAP-S Forschungsprojekt gewonnen werden. Die sozial- und kulturpolitische Seite von Garsticks Arbeit ist ein wichtiger Bewusstwerdungs-Beitrag, dass das eigene existentielle Dasein im „Hier und Jetzt“, als Individuum und als Familienmitglied immer schon mehr und komplexer ist als bewusstes Da-Sein. Im zweiten Kapitel geht es ihm um die depressiven und stark irritierten Männer während der ersten Vaterschaftswoche. Verschiedene erlebte Schwierigkeiten werden in und durch vier, anschaulich beschriebene, Fallgeschichten illustriert. Einige der darin spielenden Personen tauchen im Laufe des Buches immer wieder im modellhaften Sinne auf. So geniessen wir LeserInnen eine, durch den Autor geschaffene, gegenseitige verständigende Geborgenheit in neuen Lebensabschnitten. Was passiert seelisch und sozial mit einem Mann, der zum jungen Vater wird? Auf dem Weg zu einer Antwort nimmt der Autor uns im dritten Kapitel, überschrieben als Überwältigte Männer: Die Macht der Frau, den Mann zum Vater werden zu lassen; mit. Wichtig ist ihm gleichzeitig eine psychosoziale Entwicklungshilfe für die bedrohte Vater-Sohn-Beziehung. „Die Geburt eines Kindes ist eine entscheidende Wende im Leben. Es beginnt ein neues Kapitel: Die eigene Jugend ist ein Stück weit vorbei. Aus dem Sohn wird ein Vater. Man(n) wird mit Vergänglichkeit, mit der Begrenztheit des eigenen Lebens konfrontiert. Diesen Statuswechsel, die Elternrolle und damit auch das Älterwerden gilt es zu akzeptieren. Es gilt, Verantwortung zu übernehmen, die eigene Selbstverwirklichung zurückzustellen.“ Wie dies, unterstützt durch eine psychotherapeutische Begleitung, aussehen mag, beschreibt Garstick in dem Kapitel zur Vaterwerkstatt für verwirrte Männer. Sein Plädoyer für die Väterarbeit, als Engagement für eine humane, demokratische Kultur, welche bedeutungsvollen Aspekte hier zur Beziehungsgestaltung wichtig sind und zum Einsatz kommen, sind Teilaspekte seiner treffenden Skizzen aus der Vaterschaftswerkstatt. Sehr wichtig ist ihm die Wissenschaft der Salutogenese. Wie können reif werdende junge Väter dafür sorgen, die, aus einem Liebespaar, neu entstandene Familie in die sie umgebende soziale Gemeinschaft und Gesellschaft gesund und widerstandsfähig einzubetten? Die neu zu erwerbenden und frisch zu kultivierenden Basiskompetenzen, die da sind: Sichere Bindung, Beziehungsfähigkeit, Selbstreflexion, Explorationsfähigkeit, Lernfähigkeit und Mentalisierung, helfen dem in seinem lebensveränderten Mannsein eine ausreichende Selbstsicherheit als Vater zu entwickeln. Das neue Elternpaar ist zugleich, und hoffentlich weiterhin, ein engagiertes vertrautes inniges Liebespaar. Um dieses Liebesleben in einem qualitativ neuen Lebenskontext frisch erhalten zu können, ist es vorteilhaft, die Wiederbelebung der sinnlich-sexuellen Beziehung in einer allfälligen Psychotherapie, aber nicht nur dort, zu thematisieren. Dank der Sexualität, als grösstmöglicher Ausdruck der menschlichen Lebendigkeit, wurde überhaupt erst neues Leben gezeugt. Wie und was glücklicherweise passiert, wenn in der Elternschaftstherapie diese intime Selbstverständlichkeit thematisiert wird, wird mit diversen Fallgeschichten, wiederbelebend, zum Besten gegeben. Wenn danach diese Flamme wieder tolle brennt, zeigt sich die neue Reife der männlich väterlichen Identität. Dies, laut Garstick, ist ein Geschenk an den Mann durch seine Frau und nunmehr Mutter seiner Kinder. Im weiteren präsentiert der Autor sein interdisziplinäres Modell, wie die Zusammenarbeit zwischen Hebamme, Frauenärztin und PsychotherapeutIn, im ländlichen Raum, zum Wohl des jungen Vaters aufgebaut und gelebt werden kann. „Wir brauchen gute interdisziplinäre Netze im Frühbereich – angefangen bei Hebammen, Frauenärzten und Psychologen. Väter brauchen Partnerinnen oder Kolleginnen, die sie auf Hilfsangebote hinweisen, Freunde, mit denen sie reden können, die vielleicht auch Väter sind und die Probleme aus eigener Anschauung kennen. Insbesondere, wenn der eigene reale Vater eine Enttäuschung war, benötigen Männer väterliche Freunde, mit denen sie gegebenenfalls auch über ihre – zunächst nur ganz diffus empfundene – Ambivalenz gegenüber der neuen Lebensphase reden können.“ Was für Resultate daraus folgern und wie die Fortbildung für BeraterInnen und PsychotherapeutInnen in der Arbeit mit Vätern gestaltet werden kann, bildet das finale Kapitel.

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