Psychotherapie auf Krankenschein

Michaela Felber, Ursula Margreiter, Gernot Schwentner

Abstract


Vor dem Hintergrund der Auseinandersetzungen um den Kassenvertrag für Psychotherapie in Österreich wurden niedergelassene PsychotherapeutInnen wie auch eine kleine Stichprobe der österreichischen Bevölkerung dahingehend befragt, bei welchen Diagnosen Psychotherapie ihrer Meinung nach sinnvoll eingesetzt werden könnte und von der Krankenkasse bezahlt werden sollte. Es war festzustellen, dass für weite Bereiche Übereinstimmung zwischen Bevölkerung und niedergelassenen Psychotherapeu-tInnen besteht. Vor allem bei Störungen, denen allgemein ein hoher Krankheitswert zugeschrieben wird bzw. deren starker Leidensdruck offensichtlich ist, zeigt sich auch die Bevölkerung von der Sinnhaftigkeit von Psychotherapie überzeugt und erachtet die Finanzierung über die Krankenkasse für notwendig. Über alle Leidenszustände / Störungsbilder hinweg betrachtet, bewertet die Bevölkerung die Effizienz psychotherapeutischer Behandlung allerdings erwartungsgemäß deutlich kritischer als die Gruppe der PsychotherapeutInnen. Von besonderer Relevanz in Hinblick auf die Kassenvertragsdiskussion erscheint die Tatsache, dass mehr als die Hälfte der befragten PsychotherapeutInnen psychotische Störungen wie auch Suchterkrankungen unter den von ihnen in freier Praxis am seltensten behandelten Diagnosegruppen nennen. Die im Vertrag geforderten Zusatzqualifikationen wären somit für all jene PsychotherapeutInnen, die nicht unter die Variante A fallen (d.h. keine einjährige Tätigkeit à 40h/Woche auf einer Psychiatrie nachweisen können) eine schwierig zu erbringende Anforderung. Dies gilt selbst für ÄrztInnen und Klinische PsychologInnen, da anderweitige Institutionserfahrung allein nicht ausreicht. Daneben ist zu berücksichtigen, dass der überwiegende Teil der PsychotherapeutInnen das Einkommen primär aus einer weiteren Beschäftigung - sei es freiberuflich oder angestellt - bezieht und der Mittelwert der wöchentlichen Therapiestunden in freier Praxis bei nur 13,4 liegt.

Schlüsselwörter:
Psychotherapie, Diagnosen, Kassenvertrag, Effizienz psychotherapeutischer Behandlung in freier Praxis.


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